Rolf Studer, Co-CEO Oris

Rolf Studer, Co-CEO Oris

Oris Carl Brashear, die Erste

Oris Carl Brashear, die Neue.
Hier finden Sie die Pressemitteilung dazu.

Bronze?
«Der Erfolg war phänomenal!»

Rolf Studer, Co-CEO von Oris, über den Kern seiner Marke, Gründe für die neue Trendyness, reale Preise für eine Uhr – und den Erfolg mit dem Bronzemodell.

WATCH AROUND: Herr Studer, was ist für Sie eine gute Uhr?

Rolf Studer: Gut sind für mich ganz generell Dinge, die das halten, was sie versprechen – und darüber hinaus Freude machen. Das gilt für Uhren genauso wie für einen Kompass, einen nautischen Zirkel oder ein schönes Werkzeug.

Und wofür steht die Marke Oris?

Wir sind eine der wenigen Marken, die immer das Gleiche gemacht haben. Wir haben immer Uhren für Leute gemacht, die gerne eine gute mechanische Uhr haben, die aber beim Kaufen auch ihr Budget im Auge behalten müssen. Wir legen Wert auf eine gute Mechanik zu einem Preis, der Sinn macht.

Das heisst?

Wenn ich sehe, wie für Uhren plötzlich 7000 bis 9000 Franken verlangt werden, die kürzlich noch 4000 bis 5000 Franken gekostet haben, frage ich mich, wie ich mich als Konsument verhalten würde. Schon 2000 bis 3000 Franken sind viel Geld für eine Uhr.

Was kosten Oris-Uhren?

Zwischen 1500 und 5000 Franken. Uhren mit unserem eigenen Werk kosten ein bisschen mehr. Aber es geht nicht um den Preis an sich, es geht uns darum, was man für sein Geld erhält. 4000 Franken sind eine beträchtliche Summe, aber mit unserer Höhenmeter-Uhr zum Beispiel kriegt man dafür auch eine echte Gegenleistung.

Gab es nie die Versuchung, etwas Luft nach oben auszureizen?

Vor ein paar Jahren, als es generell nicht genug teuer und exklusiv sein konnte, waren die Leute zum Teil etwas geblendet; nun, da der Wind gedreht hat, sind die gleichen Leute begeistert, wenn sie sehen, was sie bei uns bekommen. Auf die Frage nach unserer Preispolitik ist die Antwort: Wir haben keine Marketing-Preise, sondern Preise, die für das Produkt stimmen.

Die grossen Marken haben in der jüngeren Zeit ihre Preise nach unten korrigiert. Merken Sie das?

Ich fände es anspruchsvoll, dem Konsumenten erklären zu müssen, warum die Uhr, die er im letzten Herbst gekauft hat, plötzlich billiger geworden ist. Ich wurde in der Tat auch schon gefragt, ob wir jetzt unsere Preise senken würden. Das wäre schlicht unmöglich: Wir haben keine Luft im Preis.

Wie lief denn das Geschäft für Oris?


Wir sind eine Deutschschweizer Uhrenmarke, und unsere Sachen müssen Sinn machen.
— Rolf Studer

Wir konnten in den letzten Jahren klar Marktanteile gewinnen.

Konkret: Wie sieht das Wachstum in Zahlen aus?

Wir publizieren die Zahlen nicht. Aber wir haben zugelegt.

Lange galt Oris als eher verstaubte Marke. Plötzlich ist sie trendig. Woran liegt das?

Wir machen eine seriöse mechanische Uhr mit Komplikationen, die Sinn ergeben. Das kann, je nach Sichtweise oder Kommunikationskonzept, verstaubt sein oder sehr attraktiv. Wir haben Modelle mit Komplikationen, welche die Konsumenten interessieren. Und wir haben verstärkt aus unserer Geschichte geschöpft. Das hat der Marke Sexyness gegeben.

Wie wichtig ist das Design?

Ganz klar sehr wichtig. Modelle wie die Divers Sixty-Five, die aus unserer Geschichte schöpfen, aber auch im Zeitgeist liegen, haben uns geholfen. Aber auch unser eigenes Manufakturwerk hat uns enorm Glaubwürdigkeit gegeben. Gerade beim Schweizer Konsumenten, der viel über Uhren weiss.

Welches war der wichtigste Entscheid für die Marke in den letzten fünf Jahren?

Wahrscheinlich – aber das geht weiter zurück – die Entwicklung unseres eigenen Werkes mit zehn Tagen Gangreserve. Das hat uns sehr gut getan. Es hat Vertrauen in unsere Marke gegeben. Das Produkt liegt vom Preis her zwar ein bisschen höher als das, was wir sonst im Angebot haben, aber es passt immer noch zu Oris, weil man für sein Investment sehr viel Mechanik bekommt.

Es ist allerdings auch ein Spagat. Auf der einen Seite haben Sie Basiswerke mit einfachen Komplikationen, auf der anderen Seite ein Manufakturwerk, das ja eine ganz andere Klientel anspricht. 

Dem Oris-Kunden ist es egal, ob ein berühmter Sportler oder ein Rockstar seine Uhr ebenfalls trägt. Er trägt sie für sich selber. Er kann sich sowohl für ein Produkt mit einem Basiswerk und einem Modul von uns interessieren wie für unser Manufakturwerk.

Sie sagen gerne, Oris stehe für nützliche Funktionen. Was heisst das?

Wir wollen Dinge anbieten, die man im täglichen Leben auch wirklich brauchen kann – und zwar alles mechanisch. Ein Höhenmeter ist nützlich, wenn man sich in der Luft bewegt oder wenn man als Bergsteiger oder Wanderer unterwegs ist. Ein Tiefenmeter ist nützlich, wenn man taucht oder schnorchelt. Wir sind eine Deutschschweizer Uhrenmarke, und unsere Sachen müssen Sinn machen.


Ich finde eine Uhr, die man nur alle zehn Tage aufziehen muss, bedeutend smarter als eine Uhr, die man täglich aufladen muss.
— Rolf Studer

Die Smartwatch ist kein Thema?

Ich finde eine Uhr, die man nur alle zehn Tage aufziehen muss, bedeutend smarter als eine Uhr, die man täglich aufladen muss. Was wir anbieten, ist doch smart: ein Höhenmesser, ein Tiefenmesser, all unsere Komplikationen. Jetzt den elektronischen Weg zu beschreiten, wäre Verrat an unseren Werten. Das tun wir nicht. Auch wenn eine Smartwatch durchaus ihre Berechtigung hat, zum Beispiel beim Sport.

Stattdessen lancierten Sie eine Uhr im Bronzegehäuse. Wie war die Akzeptanz?

Phänomenal. Als wir die Carl-Brashear-Bronzeuhr lancierten, war der Bronze-Hype noch nicht ausgebrochen. Wir hatten Respekt vor der Reaktion der Konsumenten bezüglich der Veränderung beim Gehäusematerial. Wir haben in einer Art Beipackzettel also genau beschrieben, wie sich das Material verändern kann. Jetzt, zwei Jahre später, suchen die Konsumenten die Patina, die sich mit dem Bronzegehäuse ergibt, sie unternehmen sogar alles Mögliche, damit die Patina schneller entsteht. Ich selber finde Bronze ein tolles Material für Uhren. Ich trug meine Carl Brashear während der Ferien mit meinen Kindern am Meer, da bekam sie natürlich Grünspan. Seither freue ich mich jedes Mal, wenn ich auf die Uhr blicke, und denke an die Zeit mit meiner Familie zurück. Trägt man ein langärmeliges Hemd oder einen Pullover, wird die Uhr wieder poliert und bekommt einen anderen Look und eine andere Emotion. Fantastisch!

Keine After-Sales-Probleme?

Kein einziger Fall. Im Gegenteil: Die Uhr wird inzwischen im Sekundärmarkt zum doppelten Preis gehandelt. 


Baselworld ist ein toller Brand. Eigentlich schade, dass er sich auf den einen Event in Basel reduziert.
— Rolf Studer

Oris ist ein Basler Unternehmen. Wie sehen Sie den Exodus vieler Marken von der Uhrenmesse Baselworld?

Wir bleiben an der Baselworld. Basel ist unsere Heimatstadt, und nach wie vor ist Baselworld die wichtigste Messe unserer Branche. Wir werden sehen, was die aktuell verkleinerte und verkürzte Messe bringen wird.

Aber kann es weitergehen wie bisher?

Ich glaube, die Baselworld muss sich dem Zeitgeist stellen. Und der Zeitgeist geht dahin, dass der Konsument viel direkter involviert wird, näher an der Marke ist. Die Baselworld hat eine Chance, wieder an Relevanz zu gewinnen, wenn sie sich dieser Entwicklung nicht verschliesst.

Und kundennäher wird?

Es wurden sicher Fehler gemacht. Baselworld ist ein toller Brand. Eigentlich schade, dass er sich auf den einen Event in Basel reduziert. Da wäre geografisch, thematisch und von der Zielgruppe her sicher mehr möglich.

In Basel steht Ihre neue eigene Boutique. Steht sie für eine neue Retail-Philosophie?

Nein, unsere Retailer bleiben unsere wichtigsten Botschafter zum Konsumenten. Aber in unserer Heimatstadt wollten wir ein Kundenerlebnis schaffen, das über das hinausgeht, was der klassische Mehr-Marken-Retailer leisten kann. Und das Echo ist super.

Wie wichtig ist der Schweizer Markt?

Er hat sich in den letzten Jahren wie das ganze Geschäft von Oris sehr schön entwickelt. Wir haben zwar in letzter Zeit auch unter dem ausbleibenden Tourismus gelitten, aber der Schweizer Markt steht heute viel besser da als noch vor ein paar Jahren.

Herr Studer, wie sind Sie eigentlich zu den Uhren gekommen?

Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für schöne und langlebige, handwerklich hergestellte Dinge. Mein Grossvater war Bootsbauer am Vierwaldstättersee. Ich erinnere mich an schöne Stunden in seiner Werkstatt, an den Geruch von Holz, Leim und Lack, an Werkzeuge und an die alte Werkbank. Da standen schöne Dinge, die praktisch und für die Ewigkeit gebaut waren. Das hat mich geprägt, und hier liegt wohl auch mein Interesse für Uhren. 2006 wechselte ich von Coca-Cola zu Oris. Und seither habe ich beruflich keinen einzigen langweiligen Tag erlebt.

WA | PAS | 15.1.18