Analytiker erwarten ein Traumjahr für die Uhrenbranche

Die Schweizer Uhrenhersteller sind mit einem Ausrufezeichen ins neue Jahr gestartet. Die Uhrenexporte sind im Januar mit Blick auf das chinesische Neujahrsfest stark angestiegen und Branchenexperten rechnen mit weiterem Wachstum. Dabei scheint die Nachfrage nach Luxusgütern in China auch auf lange Sicht ungebrochen gross zu sein. Davon dürften unter anderen die Luxusgüterkonzerne Swatch und Richemont profitieren.

Analysten sprechen von einem sehr guten Auftakt ins Jahr 2018 für die Uhrenbranche. Gemessen an den am Dienstag vom Fachverband FH veröffentlichten Exportdaten sei der Start gar noch besser als erwartet ausgefallen, heisst es. Im Januar kletterten die Uhrenexporte um knapp 13% auf 1,62 Mrd CHF. 

Rückenwind erhielt die Branche allerdings vom späteren Beginn des chinesischen Neujahrsfest, an dem viele Chinesen ihren Liebsten Geschenke kaufen, darunter auch Uhren. Das Fest startete Mitte Februar nachdem es 2017 bereits einen Monat früher begonnen hatte. Die Uhrenhändler füllten daher diesmal ihre Regale im Januar auf.

WEITERES WACHSTUM

Die Zeichen stehen aber gut, dass die Uhrenhändler auch im weiteren Verlauf des Jahres Schweizer Uhren bestellen und an ihre Kunden weiterverkaufen. Nachdem sich die Uhrenexporte 2017 kontinuierlich vom Rückgang der Vorjahre erholt hätten und mit 3% auf nahezu 20 Mrd CHF geklettert seien, zeige der Trend weiterhin nach oben, meinen Experten. 

René Weber von der Bank Vontobel prognostiziert für 2018 einen Export-Anstieg von 4%. Und auch bei der Neuen Helvetischen Bank geht man davon aus, dass sich die positiven Tendenzen der letzten Monate fortsetzen. Der Januar sei für die Jahresperformance zwar nicht entscheidend, dennoch könne von einer anhaltenden Erholung in der Uhren- und Schmuckindustrie gesprochen werden, so der Kommentar.

Gewohnt optimistisch hatte sich Swatch-CEO Nick Hayek Ende Januar anlässlich der Veröffentlichung der 2017er-Zahlen zur weiteren Geschäftsentwicklung geäussert. Für die Gruppe mit Marken wie Omega, Longines, Tissot oder Swatch rechnet er 2018 in Lokalwährungen mit einem weiterhin "sehr dynamischen Wachstum". Ein Zuwachs im höheren einstelligen Prozentbereich sei erreichbar, sagte er.

CHINA ALS WACHSTUMSTREIBER

Entscheidend für die Entwicklung im Luxusgütersektor bleibt die Konsumlust der Chinesen, die sich im eigenen Land und zunehmend wieder in den Einkaufsstrassen Hongkongs teure Uhren und Schmuck leisten. Das zeigt sich auch in der Januar-Statistik des Uhrenverbands, wo unter anderem dank des Neujahrseffekts in Hongkong ein Plus von 21% und in Festlandchina gar ein solches von 44% resultierte. 

Der Aufschwung in China und Hongkong hatte sich bereits 2017 abgezeichnet. Dabei führten etwa auch strengere Einfuhr- und Zollbestimmungen an den chinesischen Grenzen dazu, dass Chinesen mehr Geld für den Konsum im eigenen Land ausgeben. Und in Hongkong profitieren die Uhrenhändler etwa vom schwächeren Hongkong-Dollar.

Das sich aufhellende Marktumfeld und die von einigen Marken durchgeführten Uhrenrückkaufe liessen die zu grossen Lager der Uhrenhändler zuletzt schrumpfen, womit es Platz für neue Kollektionen gibt. Am Genfer Uhrensalon SIHH vor einem Monat liessen denn auch einige Markenchefs der Richemont-Gruppe durchblicken, dass die Lager dank höherer Sell Out-Zahlen mittlerweile auf ein tieferes, "gesundes" Niveau zurückgefallen seien. Noch besser laufe aber das Geschäft in den markeneigenen Boutiquen, hiess es.

LANGFRISTIG GUTE AUSSICHTEN

Aber auch die Zeichen für einen langfristig anhaltenden Aufschwung stehen am Luxusgütermarkt auf "Grün", wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie des italienischen Luxusgüterverbands Fondazione Altagamma aufzeigt. Bereits 2017 seien weltweit 915 Mrd EUR für Luxus ausgegeben worden, was einen Anstieg von 6% zum Vorjahr bedeute. In diese Rechnung fliessen nebst teuren Uhren auch Schmuck, Kleider oder Wein mit ein, nicht aber der Kauf teurer Autos oder Yachten.

Bis 2024 erreiche der Markt für Luxusgüter ein Volumen von 1'260 Mrd EUR, was ein jährliches Wachstum von rund 5% erwarten lasse, schätzen die Ökonomen von Altagamma. Dabei werde das Wachstum von Millenials und dem chinesischen Markt getrieben. Zur Gruppe der Millenials zählt je nach Definition die Generation, die in den Jahren 1980 bis 2000 geboren wurde. 

POTENZIAL FÜR KURSAVANCEN?

Die "rosigen" Marktaussichten bieten auch Potenzial an der Börse. Zuletzt entwickelten sich die Swatch-Papiere besser als der Gesamtmarkt und holten so zum Leitindex SMI in den vergangenen Jahren verlorenes Terrain auf. Dabei rückten sie seit Jahresbeginn um gut 3% bis auf aktuell rund 410 CHF vor, während der SMI um rund 5% nachgegeben hat. Die Konkurrenzpapiere von Richemont büssten in der gleichen Zeit knapp 4% ein und kosten nun rund 85 CHF.

Die Reise könnte für die Luxusgüteraktien weiter nach oben gehen, wovon allerdings nicht alle Marktexperten überzeugt sind. Von den von AWP beachteten rund 20 Analysten, sehen sechs in Swatch einen "Kauf", deren drei einen "Verkauf" und der Rest empfiehlt ein "Halten". Für Richemont setzen derweil 7 Analysten ein "Buy" und die restlichen ein "Hold". 

Die ZKB ("Übergewichten") etwa rechnet bei Swatch mit einem grossen Erholungspotenzial bei den Margen und auch die CS begründet das hohe Kursziel von 500 CHF mit dem zu erwartenden Wachstum und einer entsprechenden Verbesserung der Profitabilität. Bei Richemont verweisen Analysten zusätzlich auf das gut laufende Schmucksegment mit den bereits hohen Margen als Kaufargument..

WA | AWP | 21.2.2018

WA & Al.