Uhrmacherei und BIG DATA: Wo bleibt der Spass?

Das Thema ist brisant. Und es war diese Woche Ursache leidenschaftlicher Debatten an den «Journées Internationales du Marketing Horloger» in La Chaux-de-Fonds, wo an diversen Veranstaltungen Hohepriester der Cyber-Kultur auf ein paar wenige Kritiker stiessen. Grundfrage:  Kann «Big Data» die Uhrenbranche weiterbringen?

In der Theorie ist die Sache klar: Es sei für alle Player zwingend, die Datenflut im Internet auf allen Plattformen anzuzapfen und zu nutzen: Webseiten, E-Commerce, soziale Medien etc. Und zwar auf allen Ebenen, intern wie extern, wie David Sadigh, Gründer von Digital Luxury Group betonte. Nicht zu unterschätzen: Die Telekom-Unternehmen als grösste Besitzer von allerlei Daten ihrer Kunden.

Die Uhr ist ein emotionales Produkt.
— Jean-Pascal Perret, Omega

Am Anfang steht das Sammeln der Daten, und das sei noch eine einfache Sache, meinte Vivien Garnès, Gründer von Upfluencer, wichtiger sei die eigentliche Aufwertung des Materials. Es gehe primär darum, alle aufgespürten Daten intelligent zu verknüpfen: Öffentliche Daten, private Daten, Verhaltensdaten etc. Darauf filtriere digitale High-Tech-Technologie, künstliche Intelligenz etc. den ganzen Datenwulst und picke substantielle Informationen heraus. Die Trennung von Spreu und Weizen, glaubt man den IT-Spezialisten, führe schliesslich zu Informationen, die punkto Detailtiefe und Individualisierung ein bisher nie erreichtes Niveau möglich machen.

Der Nutzen sei riesig und mache vieles möglich: Tests von geplanten Kampagnen, Aufspüren von Trends, Sammeln von detaillierten Infos über die Wünsche seiner Konsumenten etc. Nur die Uhrenbranche habe das noch nicht richtig verstanden, witzelte Pierre Kaufmann von IBM: «Sie hat vielleicht noch nicht total den Zug verpasst, aber sie läuft der Zeit hinten nach.»

Dagegen hielt ernsthaft nur einer: Jean-Pascal Perret, Vizepräsident Kommunikation und PR bei Omega, wo «Big Data» null Einfluss auf die strategischen Entscheide habe. Grund: Der Spass. Oder die Freude an der Sache. «Die Uhr ist ein emotionales Produkt», sagte Perret - ein «rein emotionales» sogar. Denn die Uhr habe ihre ursprüngliche Funktion verloren, die technische Messung der Zeit sei von einer poetischen und mitunter auch philosophischen Dimension abgelöst worden. Zum Beispiel die: Die Uhr erinnert an die Vergänglichkeit der Zeit.

E-Commerce schliesse das nicht aus, die Marke Omega hat eben ihre E-Commerce-Boutique in den USA eröffnet. Doch das, so Perret, habe mit «Big Data» nichts zu tun. Im Vordergrund stünde vielmehr der Service für die Kunden.

Ein kleiner Nachtrag zum Schluss. Erstens: Das Thema «Big Data» kam vor 15 Jahren auf. Zweitens: Die Uhrenbranche hat bei diesem Thema eine grosse Verspätung. Drittens: Die Schweizer Uhrenbranche hat in den letzten 15 Jahren ihre Exporte ins Ausland verdoppelt. Man rechne!

8.12.17 | WA | SG | PAS

 

WA & Al.