| Georges-Henri MEYLAN | Seine Holding ist jetzt mit allen Marken im Plus

 
 

WA24 | Januar 2018


HAUTLENCE & MOSER. Die Familienholding Melb hatte die Marken H. Moser & Cie. sowie Hautlence auf dem Tiefpunkt übernommen. Jetzt steht Georges-Henri Meyland damit kurz vor der ausgeglichenen Rechnung. Im Interview sagt er, wo die Probleme liegen. Und warum neuen Aktionäre nicht ausgeschlossen sind.

WATCH AROUND: Wir sind überrascht, Sie am Steuerrad der Marke Hautlence zu sehen. Warum dieses Comeback ins operationelle Geschäft?

GEORGES-HENRI MEYLAN: Ich habe den CEO-Posten im letzten Sommer übernommen. Es ist ein anspruchsvollerer Job als eine gut funktionierende Marke zu führen.

Mit anderen Worten: Hautlence geht es nicht gut.

Hautlence ging es in der Tat nicht so gut. Der Durchschnittspreis der Uhren stieg zwar dank Spezialserien, die Produktion aber brach punkto Stückzahlen ein. Man musste also reagieren, die Kosten senken und neue Produkte für die nächsten Uhrenmessen in Genf und Basel vorbereiten. Das haben wir im Sommer in Angriff genommen.

Es ist der zweite Wechsel an der Spitze in zwei Jahren. Wo liegt das Problem der Marke?

Es ist eine Kumulierung von unglücklichen Begebenheiten. Da gab es zum Beispiel eine leichte Desillusionierung der Direktion angesichts eines einkalkulierten Erfolges, der dann nicht eintreffen wollte. Dazu kam die Lust, die Positionierung der Marke zu ändern, allerdings in einem geschäftlichen Umfeld, das dafür nicht geeignet war und nach anderthalb Jahren Rückgang auch nicht besser wurde.

Und heute? Die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie nehmen zu. Können Sie mithalten oder die Zahlen gar übertreffen?

Die Nachfrage steigt, auch wenn das Wachstum für kleine Player wie wir nicht so herausragend ist. Und was die Statistik anbelangt, die nehme ich ohnehin nicht wirklich ernst. Sie widerspiegelt die realen Verkäufe nicht.


Was die Statistik anbelangt, die nehme ich ohnehin nicht wirklich ernst. Sie widerspiegelt die realen Verkäufe nicht.
— GEORGES-HENRI MEYLAN, HAUTLENCE

Ihr Budget 2018?

Wir rechnen mit einem Wachstum für alle unsere Marken. Auf der Ebene unserer Holding Melb (mit Hautlence, Moser und der Distributionsfiliale Melb Asia) werden wir erstmals seit der Gründung im Jahre 2014 eine ausgeglichene Rechnung haben. Das ist schon eine Leistung an sich. Wir hatten ja zwei Marken übernommen, die im Begriff waren, ihre Bilanzen zu deponieren. Wir mussten gewichtige Korrekturen vornehmen.

Wie geht es Moser, Ihrer Marke in Schaffhausen.

Wir spüren, dass die Nachfrage anzieht. Wir haben an der Dubai Watch Week eine gute Woche gehabt. Moser verkauft gut und ist nahe an der ausgeglichenen Rechnung, doch die Lage bliebt prekär. Immerhin: Die Tatsache, dass Kopien von Moser-Uhren auftauchen, belegt den Erfolg der Marke.

Sie sagen, Moser sei nahe an einer ausgeglichenen Rechnung. Konkret?

Moser wird im dritten Trimester ausgeglichen sein, aber nicht über das ganze Jahr. Mit einem Personalbestand von 50 Personen, wenn man Precision Engineering dazu rechnet, unsere industrielle Einheit für die ganze Gruppe, ist die Sanierung schwieriger als bei Hautlence, wo wir nur 6 Angestellte haben, mich eingerechnet.

Wie viele Uhren baut Moser?

Etwas mehr als 1000 Uhren pro Jahr. Darunter spezielle Einzelstücke, Ewige Kalender, Tourbillons und edelsteingefasste Uhren. Der Trend geht zum wertvolleren Produkt.

Und bei Hautlence?

Der Durchschnittspreis steigt, aber das Produktionsvolumen sinkt. Wir werden dieses Jahr rund 250 Uhren gebaut haben, 2015 waren es noch 400. Die kleinen Serien finden ihre Kundschaft, die Einsteigermodelle ab 20'000 Franken laufen harziger. Aber wir sind eine kleine Mannschaft, die Lage hellt sich auf. Wir haben gerade zum Jahresende gute Verkaufserfolge verzeichnet.


Ich bin überzeugt, dass es einen Platz für die Unabhängigen gibt, sofern sie eine bestimmte Mindestgrösse haben.
— GEORGES-HENRI MEYLAN, HAUTLENCE

Was ist denn Ihre Strategie für mehr Dynamik bei Hautence?

Wir kommen auf den Ursprung der Marke zurück – mit speziellen Anzeigen auf dem Zifferblatt. Wir haben einen Achtungserfolg mit den Spiele-Uhren (mit Labyrinth oder Pinnball) erzielt, und wir wollen diesen Weg weiter beschreiten. Hingegen laufen zum Beispiel unsere einfachen Chronographen mit einem Dubois-Depraz-Werk gar nicht. Für diese Art von Produkten sind wir einfach zu teuer. Ich glaube ganz klar mehr an Spezialitäten als an grössere Volumen.

Zurück zum Ursprung? Da sehen wir eher die springende Stunde als Spiele-Uhren.

Wir arbeiten auch rund um sichtbare Mechanik. Und mit speziellen Materialen. Wir schöpfen voll aus dem, was schon vorhanden ist.

Zuversichtlich?

Wenn es den grossen Konzernen besser geht, gibt das immer auch Rückenwind für die kleineren Marken. Ich bin überzeugt, dass es einen Platz für die Unabhängigen gibt, sofern sie eine bestimmte Mindestgrösse haben.


Offen für neue Aktionäre

Eine Säule der Melb-Holding mit den Marken Hautlence und Moser war die Filiale Melb Asia in Hongkong, die von einem ihrer Söhne geführt wurde. Er installiert sich jetzt neu in Dubai, wo die zweite Filiale eröffnet wird. Was bedeutet das?

Das Modell hat sich in Asien sehr bewährt. Die Tatsache, dass jemand aus der Besitzerfamilie die Marke repräsentiert, erwies sich als erfolgreich. Dazu kommen die Kontakte, die ich während meiner Karriere aufgebaut habe.

Und wie sieht es in Russland aus. Da arbeiten Sie ja auch schon länger an der Neulancierung von Moser?

Wir sind wieder in Moskau präsent, wo wir mit grossen Distributoren arbeiten. Ganz früher hatte Moser ein Verkaufskontor in Sankt Petersburg, was auch Polen, Ungarn und Tschechien abdeckte. Es war nicht ganz einfach, die Marke hier wieder zu lancieren, deren Namen in Russland eingetragen und geschützt war. Wir konnten ihn erst vor zwei Jahre zurückkaufen.

Und die USA? Hier scheint es auch zu harzen. Müsste das nicht Priorität sein?

Da sind wir derzeit noch schwach. Wir werden irgendwann versuchen, nach dem gleichen Modell wie in Asien vorzugehen.

Ein Trumpf ist immer die Unterstützung durch einen grossen Distributoren, Hier denken wir vorab an Moser, vertreten von Bucherer. Wo stehen Sie da?

Bucherer hat immer an Moser geglaubt, und das ist langfristig für uns eine wertvolle Unterstützung. Was andere grosse Distributoren anbelangt ist die Frage vor allem, welche Bedeutung sie unseren Marken beimessen möchten.

Denken Sie an die Übernahme einer dritten Marke?

Momentan haben wir mit unseren eigenen Maisons genug zu tun. Wir werden ein napoleonisches Prinzip anwenden und unsere Reserven dort einsetzen, wo wir stark sind. Das gilt übrigens auch für die Distribution.

Und wie sieht es mit Precision Engineering aus, wo Sie Ihre eigenen Spiralen bauen?

Ideal wäre es, mit interessierten Personen einen Pool aufzubauen und diese Unternehmens-Einheit weiter zu entwickeln. Wir wären bereit, Anteile abzugeben, um das langfristige Überleben zu garantieren.

Klingt wie ein Appell an Investoren.

Wir haben schon ein paar Kontakte geknüpft und sind bereit, wenn wir einen passenden Partner finden. Melb ist ein Familienunternehmen mit begrenzten Mitteln. Ein Kapital-Zufluss könnte uns zum Beispiel ermöglichen, den Markt USA zu öffnen.

Auf das Risiko hin, Minderheitsaktionär zu werden?

Es gibt Start-ups, wo so etwas sehr gut funktioniert hat. Also warum nicht? Wir hoffen, dass die Familien-Holding wächst, und wir schliessen keine Möglichkeiten aus. Eines Tages verkaufen? Keine Ahnung. Das ist vorab eine Frage von Opportunitäten und Kontakten.

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