| Richard Mille, CEO R.Mille | «Wir haben es geschafft. Aber wir bleiben Rebellen»

 
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WA24 | Januar 2018


Zweistelligen Wachstumsraten seit Jahren, wo die Banche sonst eher darbt: Das Nischenlabel Richard Mille ist definitiv zur Erfolgsmarke mutiert. Warum? Und was unterscheidet sie von Mitbewerbern? Richard Mille im Gespräch.

WATCH AROUND: Herr Mille, wie lief das Jahr 2017 für Sie?

Richard Mille: Ausserordentlich gut, wir haben alle Ziele erreicht. Unser Hauptproblem war wie immer, dass die Nachfrage unsere Produktionskapazität übersteigt. Das hat sich 2017 noch verstärkt. Einige Händler haben keine Uhr mehr von uns vorrätig, wir mussten deshalb die Eröffnung geplanter Boutiquen verschieben, weil wir sie gar nicht beliefern könnten.

Konkrete Zahlen?

2016 haben wir 3550 Uhren produziert und ausgeliefert, 2017 waren es etwas mehr als 4000, und dieses Jahr werden es 4600 sein. Das ist ein regelmässiges Wachstum von rund 15 Prozent pro Jahr.

Sie wissen schon, was Sie dieses Jahr verkaufen? Wann entscheiden Sie so etwas?

In Tat und Wahrheit haben wir uns das Plus von 15 Prozent schon vor langer Zeit zum Ziel gesetzt.

Wie steht es um den Umsatz?

Ex factory betrug der Umsatz 2016 rund 225 Millionen Franken, 2017 nahezu 260 Millionen, dieses Jahr rechnen wir mit 300 Millionen. Das entspräche dann einem Marktwert der Produktion von mehr als 600 Millionen Franken.

Ein schöner Erfolg in einer Industrie, die sich in den letzten Jahren allgemein eher schwertat.

Wir erleben eine lineare Progression seit den ersten Tagen. Wir praktizieren manchmal etwas Mistery Shopping und stellen dabei eine exponentiell wachsende Kundschaft fest, die die Marke liebt. Die Gruppe umfasst immer mehr Schichten und vor allem zunehmend jüngere Menschen. Das ist für uns sehr ermutigend.

Weil Sie mit Ihren Produkten mehrheitsfähig werden?

Die Sache erinnert mich mitunter an die Institutionalisierte Revolutionspartei Mexikos. Wir haben es geschafft, aber wir bleiben Rebellen. Wir begeben uns immer auf ein Terrain, wo man uns gerade nicht erwartet. Etwa bei unserem «Alain Prost»-Modell. Alle dachten, wir würden mit einer Auto-Uhr kommen, es wurde stattdessen eine Velo-Uhr. Der Erfolg war durchschlagend. Wir bleiben vielleicht eine Art Verweigerer in diesem Metier, aber wir stellen auch fest, dass diese Haltung für eine grundsätzliche Veränderung in der Uhrmacherei steht.

Nämlich?

Die Haute Horlogerie hat die Tendenz zur selbstzufriedenen Wiederholung, doch der Kunde will überrascht werden. Luxus ist ein Traum, aber es braucht dahinter eine Realität. Und «we deliver», wie die Engländer sagen. Wir sind da, wir überraschen, wir halten die Marke und den Uhrmacherberuf am Leben, zum Beispiel indem wir Technik und Ästhetik nicht trennen.

Wo sind eigentlich ihre wichtigsten Märkte?

Wir machen 10 Prozent in Japan, 30 in Südostasien, 30 in Europa, 30 in den USA. Und wir gedenken nicht, dies gross zu ändern.

Warum kein stärkeres Engagement in China.

Vorsicht zahlt sich mitunter aus. Wir zogen es vor, in den USA zu investieren, als alles nach China eilte. Und das hat sich ausbezahlt. Wir werden da dieses Jahr 200 Millionen umsetzen. Ich halte mich gerne an einen Werbung von Pirelli: «Power is nothing without control.»

WA | SG

WA & Al.