Die Uhr ohne Spirale

Still und leise hat das grosse Uhrmachertalent Dominique Renaud eine Uhr ohne Spirale entwickelt. Sie ist derzeit in Genf an einer Ausstellung* zu sehen.

Er war die eine Hälfte des legendären Haute-Horlogerie-Duos Renaud & Papi, das im Auftrag Dritter aufwändigste Komplikationen baute. Das Unternehmen gibt es nach wie vor, doch im Jahre 2000 verliess Dominique Renaud die Industrie - und kehrt heute fulgurant mit einem eigenen Start-up-Unternehmen zurück.

Mit der DR01 präsentiert Renaud derzeit die erste Uhr einer Zwölfer-Serie. Kostenpunkt: 1 Million Franken. Das Besondere daran ist eine Hemmung ohne Spirale.

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«Innovation muss Begehrlichkeit erzeugen»

Hier das Interview in Englisch. Oder in Französisch.

 

WATCH AROUND wird in der Printausgabe vom Januar auf die Uhr und ihre Technik zurückkommen. Vorerst soll für interessierte Kenner der Hinweis reichen, dass die Entwicklung an die berühmte Riefler-Hemmung erinnert und eine Art Klingen-Resonator ist.

Die Uhr, die laut Renaud noch gar nicht richtig fertig sei, gibt es zuerst als kleine «Twelfe first»-Serie, eigentliche Kunstwerke, die punkto Gehäuse etc. auch ästhetische Wünsche der Käufer umsetzen. Dann erst wird eine reguläre Uhr mit der neuen Technik auf den Markt kommen.

Für Dominique Renaud steht fest, dass bei einer Uhr nicht mehr das Anzeigen der Zeit im Vordergrund steht. Technik müsse heute Lust und Begehrlichkeit wecken, sagt er. Und dafür dürfe die Uhrmacherei nicht davor zurückschrecken, sich an die technischen Fundamente zu wagen und hier neue Wege zu suchen.

Eine neue Technik mach nur dann Sinn, wenn sie visuell stark ist und Emotionen schafft.
— Dominique Renaud

Glaubt man dem Mann, den viele als eigentliches Uhrmacher-Genie sehen, steht die Uhrmacherei vor einem Paradigmenwechsel. Zu Beginn ging es den Uhrmachern bei ihren Entwicklungen vor allem darum, die chronometrische Präzision voranzutreiben. Mit dem Quarzwerk wurde dies obsolet, die Uhrmacherei erfand sich neu als kreative mechanische Kunstform, was in ergötzlich anzuschauenden Komplikationen mündete. Doch auch hier sieht Renaud eine Sackgasse, wie er sagt. Deshalb wendet er sich den mechanischen Grundlagen oder Fundamenten zu - weiterhin allerdings stets mechanisch und mit traditionellen Arbeitsmethoden.

| Mehr über Renaud lesen Sie im Interview, Links in der Fotobox oben.

*Espace Muraille Art Gallery, «The Watch Odyssey – DR01 take off – Dominique Renaud»

WA | SG&PAS | 11.2017